Berichte > Chronik > 1878 - 1926

Aus dem Jahr 1878 weiß man, das neue Feuerwehrstatuten erlassen wurden, nach denen jeder Einwohner vom 20. bis 55. Lebensjahr zum Feuerwehrdienst verpflichtet war. Es wird darin über die Ausrüstung und Uniformierung berichtet, über die Dienstordnung und die Disziplinarstrafen. Es war ja immer noch eine Pflichtfeuerwehr, für deren Erhalt sich die Stadt Künzelsau bis zum Jahre 1914 entschied, obwohl es nach der Landesfeuerlöschordnung von 1885 den Gemeinden freigestellt war, auf freiwillige Wehren umzustellen.

Der Bau der Hochdruckwasserleitung in den Jahren 1874/75 brachte auch für die Feuerwehr eine Verbesserung. Deren weiteren Ausbau erlaubte schließlich 1886 eine Neueinteilung und Reduzierung der Mannschaft, obwohl man trotz dieser Neuerung mit 39 Hydranten und eines inzwischen vorhandenen Feuersees am Friedhof noch nicht auf Blechbutten und „Buttenmänner“ verzichtete. Man hat diese Abteilung 1903 sogar noch verstärkt. Angeschafft wurden auch noch zwei weitere Einzylindrige Buttenspritzen.

Im ganzen Land hatten sich in den letzten Jahren die Feuerwehren mehr und mehr zur Freiwilligkeit bekannt. Der Gemeinderat beschloss daher am 30.07.1913 auch für unsere Stadt eine Freiwillige Feuerwehr einzuführen, bestärkt durch einen öffentlichen Aufruf, dem 194 Männer folgten. Diese haben am 01.04.1914 ihren Dienst aufgenommen. Dienstbefreite zahlten eine Feuerwehrabgabe zwischen 2 und 8 Mark, was der Stadt damals eine jährliche Einnahme von rund 650 Mark einbrachte. Feuerwehrdienstpflichtig waren 430 Personen.

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges warf das Bild wieder völlig um, nachdem das Häuflein der nicht mitmarschierten Wehrmänner so klein war, dass ein sicherer Feuerschutz nicht mehr gewährleistet war. Feuerwehrdienst wurde erneut zur Pflicht. Ab dem Jahr 1916 gab es keinerlei Befreiung mehr.


Die Freiwilligkeit kehrte erst wieder im Jahr 1919 ein.

 

Inzwischen hatte Baumeister Karl Glenk das Amt des Kommandanten übernommen und hat als Weltkriegsoffizier für neuen Aufschwung gesorgt. Er regte, bei der ersten „Corpsversammlung“ am 2. Mai 1920, den raschen Aufbau der Weckerlinie mit mindestens 25 Mann an. Da in dieser Versammlung auch über die Vernachlässigung der Wehr im Kriege und über die Disziplin debattiert wurde, lässt den Schluss zu, das nicht alle Kriegsheimkehrer auch gleich wieder begeisterte Feuerwehrleute sein wollten. Dies wird im übrigen darin ersichtlich, das in dieser Versammlung nur etwa 40 Wehrmänner anwesend waren. Die Gründung der Weckerlinie erfolgte schließlich 1921 mit 34 freiwilligen. Der älteste war Schumachermeister Christian Reichert (später viele Jahre ältester Bürger Künzelsaus) und der jüngste, Zimmermeister Ludwig Rükgauer. Über erste Erfahrungen konnte bereits 1922 berichtet werden. Natürlich war dies noch lange nicht die Weckerlinie, von der eventuell die heutigen Leser wissen. Es war aber die Kernmannschaft der Künzelsauer Feuerwehr, die schnell erreichbar war. Diese Effizienz aber weiter auszubauen war die Devise dieser jungen Truppe und so dachte man im Jahre 1924 bereits an die Anschaffung einer Motorfeuerspritze, nachdem die Nachbarschaft Öhringen gerade eine solche erworben hatte. Der damalige Bezirksrat des Oberamtes Künzelsau wollte dazu zwar einen Beitrag leisten, ohne die absolute Notwendigkeit aber einzusehen. Dies war wohl darauf zu führen, dass mit Öhringen und Schwäbisch Hall ein sogenannter Feuerlöschverband bestand. Kommandant Glenk mit seinen Mannen gab sich damit einfach nicht zufrieden und so wurde im April 1925 erneut die Anschaffung im Gemeinderat beantragt.

 

Von den Vorzügen einer motorisierten Spritze konnte man sich bei einer Vorführung des Öhringer Fahrzeugs überzeugen. Darauf hin befasste sich der Gemeinderat erneut mit der Beschaffung. Nach einer außerordentlich langen Sitzung am 06.051926 wurde schließlich in namentlicher Abstimmung mit 7 gegen 5 Stimmen der Antrag des Stadtschuldheißen Broß auf Beschaffung einer Motorspritze stattgegeben. Voraussetzung musste allerdings sein, dass sich die Zentralkasse für das Feuerlöschwesen und die Amtskörperschaft (Landkreis) mit 35% beteiligt. Die Gesamtkosten waren mit 31.000 Mark veranschlagt. Der Bezirksrat (Kreistag) konnte sich erneut zu einem Beschluss nicht durchringen und hat die Entscheidung vertagt. Inzwischen nahm der neue Stadtschultheiß Pflüger am 20.01.1927 die Amtsgeschäfte im Künzelsauer Rathaus auf. Er verfolgte sofort mit Energie das Anliegen der Feuerwehr und so erging bereits am 20.02.1927 der entgültige Beschluss des Gemeinderates, sofort eine Motorspritze anzuschaffen, bei gleichzeitiger Verringerung der Mannschaftsstärke von 250 auf 120 Mann. Die Gesamtkosten waren inzwischen auf 25.300 Mark gesunken. Die Fahrzeugübernahme erfolgte am 28.07.1927 bei der Firma Magirus in Ulm. Mit diesem modernen Fahrzeug „LF24“, trotz „Conti Elastikbereifung“ (Vollgummi) begann die moderne Künzelsauer Feuerwehrgeschichte. Die langgedienten Saug- und Druckfeuerspritzen sowie die alte Breitinger`sche Kastenspritze wurden überflüssig und teilweise noch verkauft. Ein schweres Hydrophor allerdings, so erinnert sich der Chronist, wurde Anfang der 50iger Jahre an den Bauhof abgegeben, nachdem es in der Kriegszeit und nach 1945 noch mehrmals erfolgreich bei Hochwassereinsätzen verwendet wurde.


Obwohl die Feuerwehren Einrichtungen der Gemeinde waren und damals schon der Beratung und Überwachung des Bezirksfeuerlöschinspektors (Kreisbrandmeister) unterstanden, hatten sich in den Jahren 1920/21 bereits in einigen Württ. Oberämter Feuerwehrverbände konstruiert, die Vorgänger der heutigen Kreisfeuerwehrverbände und gleichzeitig ein Landesfeuerwehrverband. Man sah zu dieser Zeit schon in den Verbänden das bessere Instrument zur freiwilligen Zusammenarbeit der Wehren untereinander. Niemals war es ein Gegeneinander, zumal sich die damaligen Löschinspektoren und heutigen Kreisbrandmeister (meistens waren es im Land gleichzeitig die Oberamts-/Kreisbaumeister) beinahe ausnahmslos im Verbandswesen engagiert hatten. So war es auch hier bei der Gründung des Verbands für das Oberamt Künzelsau am 25.04.1926 durch den Künzelsauer Kommandanten Karl Glenk und Bezirksfeuerlöschinspektor Wucherer. Der damalige Oberamtmann und spätere Landrat Bothner war gleichfalls ein Förderer der Feuerwehr allgemein und der Verbandsache im besonderen. Der Verband hat bis Kriegsbeginn 1939 hervorragend gewirkt und durch Kommandantenversammlungen, Schulungen und die jährlichen Verbandstage in allen Kreisgebieten. Die entscheidenden Impulse kamen von dieser Seite und nicht von der Legislative