Berichte > Chronik > Die Gründung

Das Künzelsauer Feuerlöschwesen im Wandel der Zeiten

Die Ursprünge der Brandbekämpfung sind natürlich sehr alt, denn Brände gab es zu allen Zeiten, wie der Versuch sich dagegen zu wehren. Von geordneten Einrichtungen hier weiß man dagegen anhand von Unterlagen eigentlich erst aus der zweiten hälfte des 18. Jahrhunderts. So ist eine Alt-Künzelsauer „Feuerordnung“ bekannt, die im Jahre 1780 für den „Gemeinschaftlichen Ganerblichen Ort Cünzelsau“ erlassen wurde. Darin waren die Aufgaben für die Bürger im Brandfall aufgezeigt, auch ergingen darin die ersten Führungsanordnungen. Erstmals liest man von Feuerhauptleuten, Regieren am Spritzenkasten, Brunnenmeister, Leiterträgern und Bachstauern. Hoheitliche Aufgaben waren auch damals bereits den Kaminfegern aufgetragen, also Vorbeugender Brandschutz, wie man heute sagt.

Die eigentliche Entwicklung der Künzelsauer Feuerwehr begann Anfang des 19. Jahrhunderts etwa nach Beendigung der Ganerbenschaft in den Jahren 1802/1803. Nach vorübergehender Hohenlohe`scher Verwaltung und dem Übergang an die Landeshoheit Württembergs galt damit auch Württembergisches Recht, von dem man weiß, dass es schon zur Zeit der Ganerbenschaft, also Anfang des 18. Jahrhunderts von den „Communen“ Vorkehrungen gegen Feuersgefahren forderte.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts ergingen dann genauere Feuerlöschordnungen, die auch Vorschriften über Beschaffung und Handhabung von Feuerlöschgeräten enthielten.

So ist darin bereits von Feuerlöschspritzen zu lesen. Es ist von ledernen Schläuchen und davon, das jeder Bürger oder Bürgersohn bei seiner Heirat einen Feuereimer zur Verfügung stellen musste. Immer wieder werden auch die „Weiber“ genannt, die bei Bränden im Winter für heißes Wasser zu sorgen hatten, um ein Einfrieren der Spritzen zu verhindern.

Später mussten hier die Bierbrauer, Seifensieder, Färber und Gerber eingreifen.

Aus Unterlagen des Archivs ist überliefert, das auf dieser Basis in unserer Stadt die Brandbekämpfung durchgeführt wurde.

Der „militärische Akzent“ im Feuerlöschwesen kam Mitte des 19. Jahrhunderts auf, genau gesagt, nach Gründung der ersten organisierten Feuerwehr Deutschlands des „Pompier-Corps“ Durlach, aus dem nach dem Hoftheaterbrand in Karlsruhe im März 1847 die Karlsruher Feuerwehr hervorging.

Dieser Zeitpunkt kann als Beginn der Bezeichnung Feuerwehr angesehen werden.


Wenn auch in Künzelsau die Gründung einer Feuerwehr nach dem Durlacher Modell noch nicht anstand, befasste man sich ziemlich zur gleichen Zeit und zwar 1849 im Gemeinderat mit der Überprüfung des Feuerlöschwesens und darüber ist Aktenkundig, dass drei Spritzen, sogenannte Stoßspritzen vorhanden waren, die vom damaligen Spritzenbauer Heinrich Breitinger (Kupferschmied) jedoch für völlig unzureichend bezeichnet wurden. Nur eine Spritze bringe das Wasser zum Feuer, bei den anderen beiden verteile der Wind das Wasser schon vorher. Das Ergebnis war das eine neue Feuerspritze angeschafft wurde.

Die Gründung einer Feuerwehr wurde jedoch immer und immer wieder verschoben obwohl sich nun bereits die Regierung des Jagstkreises in Ellwangen (Vergleichbar mit dem heutigen Regierungspräsidium) einschaltete und auf Modelle wie Heilbronn und Heidenheim verwies. Angeblich fehlte es immer am Geld und da Künzelsau Oberamtsstadt war und damals schon für Auswärtshilfe zur Verfügung stehen sollte, waren es die Kosten dafür, für die niemand so recht aufkommen wollte. Einem Gründungsversuch der hiesigen Turnergemeinde aus dem Jahre 1859 war ebenfalls ein Erfolg nicht beschieden. Sicherlich spielte hierfür ein gewisses Rivalitätsdenken mit.

Ein Jahr später war es dann soweit. Im Gemeinderat wurde ein neues Statut erarbeitet, das auch über die Dienstleistungen bei auswärtigen Einsätzen Klarheit schaffte. Diesem geänderten Statut hatte die Kreisregierung am 13.07.1860 zugestimmt.

Es kann mit Sicherheit angenommen werden, dass dieser Zeitpunkt als Geburtstag der Künzelsauer Feuerwehr gelten kann. Die erste Dienstordnung ist am 20.09.1860 ergangen. Erster Kommandant war Straßenbauinspektor Güntter (damals Leiter des Straßenbauamtes) sein Stellvertreter Bierbrauer Lachenmayer.

Unter deren Leitung scheint auch zugleich viel Schwung eingekehrt zu sein. Es wurde sofort eine neue Spritze mit Hydrophor, Fabrikat Kurtz Stuttgart und ein Feuerwagen angeschafft, aber auch 100 Fuß „Fortleitungsschlauch“. Interessant ist, das die Amtspflege (Oberamt) ein „Drittteil“ der Kosten „verwilligt“ hat. So gab es also damals schon „Staatsbeiträge“.

Die Stärke der Wehr zur Gründungszeit umfasste über 450 Mann bei damals nur rund 3000 Einwohnern. Dass ein „strenges Regiment“ herrschte, verwundert für die damalige Zeit nicht. So waren Übungen wegen des sonntäglichen Gottesdienstes morgens um 6.00 Uhr bei jedem Wetter. Von „unnachsichtlicher“ Bestrafung bei „ungenügender Entschuldigung“ ist ebenfalls die Rede.

Über die folgenden Jahre kann gesagt werden, dass die Ausrüstung laufend eine Verbesserung erfuhr und so bereits 1866 eine „Abprotzspritze“ wiederum von der Fa. Kurtz erworben wurde, dazu weitere 600 Fuß Schläuche. Diese Ausrüstung befähigte die Wehr immer wieder, im besonderen die sogenannte Landfeuerwehr, hilfreich einzugreifen.