Berichte > Archiv
27.05.14 20:50 Alter: 3 yrs

Einsatzbericht Fa. Hornschuch, Brand im Kesselhaus

Kategorie: Gesamt

 

Vermutlich der Defekt einer Ölpumpe der Thermalölanlage ist der Auslöser für den Brand im Kesselhaus der Firma Hornschuch in Weißbach, welcher die Feuerwehr Künzelsau binnen einer Woche mehrmals beschäftigen sollte.

Siehe auch: Pressemitteilung der Konrad Hornschuch AG zum Einsatz

Pressemitteilung "Hornschuch fährt wieder Volllast"

Am Donnerstag 08.04.2014 gegen 21.53 Uhr entdecken Mitarbeiter der Firma Hornschuch in Weißbach ein Feuer im Kesselhaus im Bereich der Thermalölanlage, welche für den Betrieb der Maschinen zur Herstellung von Kunstleder benötigt wird. Zeitgleich löst die Brandmeldeanlage und die automatische Löschanlage über der Anlage aus. Die alarmierte Werkfeuerwehr (WF) ist rasch vor Ort, kann das weit fortgeschrittene Feuer aber nicht löschen.

Zur Unterstützung wird um 22.06 Uhr die Freiwillige Feuerwehr (FF) Weißbach und um 22.18 Uhr der Löschzug der FF Künzelsau über die integrierte Leistelle in Gaisbach nachgefordert. Noch während des Ausrückens des Löschzuges Künzelsau wird vom stellv. Kreisbrandmeister Kilian die Führungsgruppe Kochertal und das Tanklöschfahrzeug TLF 24/50 der FF Öhringen aufgrund des Sonderlöschmittelvorrats nachgefordert. Dieses geht vor Ort in Bereitstellung, wird aber im weiteren Verlauf nicht zum Einsatz kommen.

Die rasch nacheinander eintreffenden Fahrzeuge werden von Angehörigen der Werkfeuerwehr direkt an die Brandstelle mitten auf dem zum Teil verwinkelten Werksgelände eingewiesen. Vor Ort stellt sich für die Kräfte der FF Künzelsau die Lage wie folgt dar: Feuer unbekannter Größe im 2.Stock des Kesselhauses mit mäßiger Rauchentwicklung und Geruchsbelästigung. 2 Atemschutztrupps der WF Hornschuch und FF Weißbach zur Brandbekämpfung im Einsatz.

Zur Unterstützung der Brandbekämpfung wird die Drehleiter mit Wenderohr in Stellung gebracht und der Angriffstrupp des Löschgruppenfahrzeugs LF 20/16 unter Atemschutz vorgeschickt. Die Kräfte des Tanklöschfahrzeugs TLF 16/25 sichern die Wasserversorgung und stellen einen Sicherheitstrupp unter Atemschutz.

Der Angriffstrupp steigt mit Strahlrohr zur Eigensicherung die Außentreppe bis zum 2. Stock hinauf und trifft dort auf die beiden Trupps der anderen Wehren. Der Trupp der WF Hornschuch muss mangels Atemluft den Einsatz beenden, so dass sich die Trupps aus Weißbach und Künzelsau über das weitere Vorgehen abstimmen. Die Kameraden aus Weißbach sichern mit dem Schaumrohr, während die Künzelsauer erkunden. Folgende Lage wir an den Gruppenführer gemeldet: „Vollbrand einer technischen Anlage, Ausdehnung 5 x 5 Meter, Zwischendecke eingestürzt. Austretendes Öl das brennt, Feuer kann eingedämmt, aber nicht gelöscht werden.“

Neben der bereits eingesetzten Künzelsauer Drehleiter wurde auch die Drehleiter der FF Öhringen alarmiert und auf der Rückseite des Kesselhauses zum Schutz der angrenzenden Gebäudeteile in Stellung gebracht. Beide Drehleitern kühlen das Gebäude und versuchen den Brandherd von oben zu erreichen.

Die Führungsgruppe Kochertal und der Gerätewagen Atemschutz aus Künzelsau postieren sich vor dem Gerätehaus der WF Hornschuch. Die Führungsgruppe unterstützt bei großen Einsätzen den Einsatzleiter durch die Bündelung an Informationen, erstellt Übersichten und ein aktuelles Bild der Lage und hilft damit dem Einsatzleiter Entscheidungen zu treffen. Im Gerätehaus der Werkfeuerwehr wird eine Verpflegungsstelle eingerichtet.

Die Erkundung des Brandherdes mit der Wärmebildkamera ergibt Werte von ca. 500 °C und bestätigt durch die bessere Sicht einen tropfenden Flüssigkeitsbrand. Die ausbleibende Löschwirkung des Schaumangriffs lässt sich auf das Schaummittel zurückführen. Durch die enorme Hitze zerfällt der Schaum in der Luft, so dass ein Benetzen der Anlagenteile und ein Ersticken der Flammen nicht möglich sind.

Die Brandbekämpfung im Gebäude wird durch herabfallende Teile der Decke und das ca. 10 cm hoch im Raum stehende Löschwasser erschwert. In den einzelnen Stockwerken befinden sich Aufkantungen, so dass wassergefährdende Stoffe oder Löschwasser nicht nach außen treten können. In das Löschwasser mischt sich zudem das austretende Öl, welches unter Hochdruck aus den zerborstenen Leitungen spritzt.

Die Einsatzleitung entscheidet sich für den Einsatz von Feuerlöschern mit Löschpulver um den Brand zu ersticken. 4 IsoGuard-Feuerlöscher werden dem Angriffstrupp bereitgestellt. Die Trupps aus Künzelsau und Weißbach sprechen sich ab. Die Weißbacher Kameraden sichern mittels Schaumrohr und beobachten das Umfeld auf mögliche Gefahren. Der Künzelsauer Trupp dringt bis zur Anlage vor und löscht mittels Feuerlöscher den Anlagenbrand vollständig ab. Allerdings entzündet sich das austretende Öl gleich wieder bei Kontakt mit den heißen Anlageteilen, so dass sich der Löscherfolg in Grenzen hält.

Zwischenzeitlich wird ein spezielles alkoholbeständiges Schaummittel bereitgestellt, welches dem Löschwasser zugemischt werden kann. Zusammen mit den Weißbachern Kameraden entscheidet man sich zu viert den schweren B-Schlauch ins Gebäude nachzuziehen und mit der so gewonnenen Schlauchreserve gemeinsam einen Schaumangriff auf die Anlagenteile zu versuchen. Der Löscherfolg setzt sofort ein. Der Schaum bleibt stabil und benetzt die Anlagenteile vollständig, so dass um 22.50 Uhr „Feuer schwarz“ gemeldet werden kann.

Durch die enorme Hitze hat die Stahlkonstruktion des oberen Stockwerks stark gelitten. Da einige Träger Verwindungen aufweisen wird von den Trupps eine mögliche Einsturzgefahr gemeldet und gleichzeitig die Kühlung durch die Drehleitern wieder aufgenommen. Diese Maßnahme war unterbrochen worden, um die Trupps im Gebäude nicht zu gefährden. Zur weiteren Beobachtung der Brandstelle und des Gebäudes mittels Wärmebildkamera wird der zweite Künzelsauer Trupp eingesetzt.

Zur Abklärung, ob die Statik des Gebäudes beeinträchtigt ist, wird ein Statiker hinzugezogen. Dieser inspiziert über die Drehleiter aus der Nähe das Dach und durch Begehung die Konstruktion das Gebäude. Die Konstruktion wird als intakt befunden, eine Begehung ist auch weiterhin möglich. Parallel hierzu werden der Vertreter der Unteren Wasserbehörde und der Fachberater Chemie aus Pfedelbach von der FF Öhringen zur Einsatzstelle gerufen, um Maßnahmen zur Abwehr der Gewässergefährdung und Entsorgung des Löschwassers abzustimmen.

In regelmäßigen Abständen finden Besprechungen im Gerätehaus der Werkfeuerwehr Hornschuch statt. Proben des Löschwassers wurden genommen. Außer der Geruchsbelästigung durch das abbrennende Öl kommt es zu keinem Zeitpunkt zu einer Gefährdung der Weißbacher Bevölkerung. Zu betonen ist, dass während des ganzen Einsatzes keine Personen zu Schaden kommen.

Aufgrund der Schwere und Ausmaß des Brandes kommen der Weißbacher Bürgermeister Rainer Züfle, die Vorstände Jens Kleine und Lothar Machule der Konrad Hornschuch AG an die Einsatzstelle. Ebenso informierte sich der Bezirksbrandmeister Frieder Lieb vor Ort über den Einsatz. Dieser wird von der Berufsfeuerwehr Heilbronn nach Weißbach gefahren. Nach dem Eintreffen des Bezirksbrandmeisters Lieb findet in großer Runde mit allen Kommandanten und Zugführern eine Begehung der Einsatzstelle und Abstimmung der weiteren Maßnahmen statt.

Die Brandstelle wird von Trupps der WF und Weißbach komplett mit Schaum abgedeckt, um ein Aufflammen des Brandes zu verhindern. Da die meisten Arbeiten unter Atemschutz ausgeführt werden müssen, kommt auf die Besatzung der Gerätewagen Atemschutz immer wieder Arbeit zu. Es werden Atemluftflaschen getauscht und Geräte ausgegeben.

Zeitgleich laufen durch die WF Hornschuch erste Aufräummaßnahmen an. So werden Gefahrgutpumpen und Behälter zum Absaugen und Auffangen des angestauten Löschwassers herbeigeschafft. Die Hofeinläufe im Gelände wurden mit speziellen Dichtkissen verschlossen, so dass das Löschwasser nicht in den Abwasaerkanal gelangen kann.

Der Kocher wird bis Forchtenberg vorsorglich abgefahren und auf mögliche Verunreinigungen abgesucht. Diese kann nicht festgestellt werden, aber es wird sicherheitshalber das Einbringen einer Ölsperre bei Forchtenberg empfohlen.

Aus diesem Grund wird gegen 1.25 Uhr erneut Alarm für die FF Künzelsau ausgelöst. Der Rüstwagen (RW), das Tanklöschfahrzeug, der Gerätewagen Transport (GW-T) sowie der Mannschaftstransportwagen (MTW) rücken nach Forchtenberg ab, um eine Einwegölsperre in den Kocher einzuziehen. Diese Ölsperre wird am folgenden Freitag durch eine zweite Sperre der WF Hornschuch ergänzt und regelmäßig kontrolliert.

Gegen 2.00 Uhr können die Kräfte der FF Öhringen aus dem Einsatz herausgelöst werden und den Heimweg antreten. Generell laufen Aufräumarbeiten, so werden die ersten Schlauchleitungen zur Wasserversorgung zurückgebaut und die Fahrzeuge wieder einsatzklar gemacht.

Für die Künzelsauer Trupps heißt es dann noch einmal fertig machen zum Atemschutzeinsatz. In den an den Brandraum angrenzenden Technikräumen muss nach Glutnestern gesucht werden. Hierzu wird mittels Einreißhacken u.a. die Eternit-Verkleidung an der Decke des ca. 4 Meter hohen Raumes entfernt. Diese anstrengende Arbeit konnte aber glücklicherweise nach dem Öffnen von ca. 5 qm Deckenverkleidung beendet werden, da der Brand nicht weiter vordringen konnte.

Die Mannschaft des TLF unterstützt die Kameraden der Werkfeuerwehr bei der Inbetriebnahme der ELRO-Gefahrgutpumpe und pumpt in einem ersten Schritt ca. 2.000 Liter Löschwasser in Behälter zur Entsorgung um.

Gegen 03.30 Uhr können auch die letzten Kräfte der FF Künzelsau und die Führungsgruppe Kochertal den Einsatz beenden und Fahrzeuge und Gerätschaften nach der Bestückung wieder einsatzbereit in Künzelsau zurückmelden.

Das Vorgehen und die Arbeit aller am Einsatz beteiligten Einheiten wird von Vertretern der Firma Hornschuch als gut koordiniert und vorbildlich beschrieben. Es wurde durch das schnelle Eingreifen ein größerer Schaden abgewendet. Die Schadenshöhe wird dennoch im hohen sechsstelligen Bereich beziffert, der Schaden durch den Produktionsausfall noch nicht eingerechnet.

Insgesamt ist die Feuerwehr Künzelsau in dieser Nacht mit 40 Mann mit 10 Fahrzeugen im Einsatz: KdoW, VRW, LF 20/16, DL-K 30, TLF 16/25, GW-A, ELW 1, RW, GW-T, MTW

WF Hornschuch, FF Weißbach, FF Künzelsau, FF Öhringen, Führungsgruppe Kochertal, Fachberater Chemie, stellv. Kreisbrandmeister, Bezirksbrandmeister, DRK Hohenlohe, Polizei, Kriminalpolizei, Untere Wasserbehörde, Statiker, Bürgermeister Weißbach, Firmenvertreter

Insgesamt waren in der Spitze bis zu 80 Kräfte über mehrere Stunden im Einsatz

 

Am Freitag 09.04.2014 ruht im Werk Hornschuch die Produktion durch den Ausfall der Technik- und Energiezentrale. Nach einer ersten Reinigung und Instandsetzung der vom Brand betroffenen Bereiche kann gegen Abend die Produktion in einem Großteil des Werkes wieder aufgenommen werden. Nur die Maschinen, die zur Fertigung auf das Thermalöl angewiesen sind müssen noch stehen bleiben.

Gegen 10.00 Uhr werden die Drehleiter der FF Künzelsau und die Wärmebildkamera erneut zur Unterstützung angefordert. Die zur Brandwache vor Ort befindliche WF unterstützt durch eine Einheit der FF Weißbach sucht im Dachbereich weiter nach Glutnestern und entscheidet sich Teile des Dachs und der Verkleidung zu entfernen.

 

Am Donnerstag 15.05.2014 wird die FF Künzelsau erneut nach Weißbach alarmiert. Während des Prozesses des Hochheizens der Thermalölanlage zur Inbetriebnahme der Kunstlederfertigungslinie kommt es zu einem Schwelbrand. Die Inbetriebnahme wird durch die Werkfeuerwehr überwacht, wodurch der Schwelbrand sofort entdeckt wird.

Um 15.30 Uhr wird die FF Weißbach und die Wärmebildkamera aus Künzelsau angefordert. Aus ungeklärter Ursache haben sich in der Isolierung der Rohrsystems Glutnester gebildet. Da sich die Löscharbeiten über einen längeren Zeitraum ziehen werden, wird Vollalarm für die FF Weißbach ausgelöst und die Löschgruppe Künzelsau alarmiert. Zusätzlich wird auch der Gerätewagen Atemschutz zur Bereitstellung von Atemschutzflaschen und Geräten alarmiert.

 

Die FF Künzelsau unterstützt die langwierigen Löscharbeiten mit der Bereitstellung von Atemschutzgeräteträgern, der Drehleiter und Werkzeug und Gerätschaften aus dem Rüstwagen. Unter Atemschutz muss in anstrengender Arbeitshaltung mit Hilfsgerüsten zum Teil über Kopf mit schwerem Gerät die Isolierung von den bis zu 130°C heißen Rohrleitungen abgelöst und gelöscht werden.

Zusätzlich wird im Geschoss über dem Brandherd mittels eines D-Strahlrohrs mit Schaummittel versetztes Löschwasser in die Isolierung eingebracht. Durch das Schaummittel wird die Oberflächenspannung des Wassers genommen und das Wasser kann besser eindringen. Ein Löscherfolg dieser Maßnahme kann direkt durch die Wärmebildkamera festgestellt werden.

Die FF Künzelsau ist an diesem Tag mit 13 Mann und 4 Fahrzeuge bis ca. 20.00 Uhr im Einsatz.