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06.07.11 07:53 Alter: 6 yrs

Lehrgang Absturzsicherung und einfaches Retten aus Höhen und Tiefen

Kategorie: Gesamt

 

An den vergangenen zwei Wochenenden führte ein Gruppe der Feuerwehr Künzelsau einen Sonderlehrgang Absturzsicherung und einfache Rettung aus Höhen und Tiefen durch (EHRT).

 

Um das Wort „einfach“ zu relativieren sei hier angemerkt dass es eine Rettung von einem Baukran oder einem Hochregallager eben noch zu dieser Kategorie gehört. Die Übergänge zur speziellen Rettung aus Höhen sind aber fließend und somit nicht klar definiert.

 

Insgesamt wurden 17 Feuerwehrangehörige aus 4 verschiedenen Abteilungen in 20 Stunden auf dieses nicht ganz einfache Thema in Theorie und Praxis geschult. Der Auslöser für diese eigens von der Feuerwehr Künzelsau organisierten Schulungen waren etliche Einsätze in den vergangenen Jahren bei denen verunfallte Personen aus teils extrem unwegsamen Gelände gerettet werden mussten. Das jüngste Beispiel, „Auto abgestürzt am bei Kocherstein/Ingelfingen“ (die HZ hat berichtet) zeigte wie schnell man in solch eine Situation als Einsatzkraft kommen konnte.

Zudem hat man sich an einem kompletten Samstag der Rettung einer in Not geratenen Person in einem Hochregallager gewidmet. Dies war für alle Beteiligten eine extreme Herausforderung.

 

Aufgrund dieser Erfordernisse als Gemeinde- und Stützpunktwehr solche Schadenslagen abarbeiten zu können kontaktierte die Feuerwehr Künzelsau im Frühjahr letzten Jahres Wolfgang Werft. Herr Werft ist selbst langjähriges Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Zirndorf hat langjährige Erfahrung als Ausbilder für spezielle Höhenrettung. Ebenso ist er bei der Berufsfeuerwehr in Nürnberg tätig. Bildet dort ebenfalls Höhenretter aus und ist in Fachkreisen durch einschlägige Fachliteratur rund um die Höhenrettung bekannt. Mit ihm konnte sich die Feuerwehr Künzelsau einen erfahrenen Ausbilder mit ins Boot nehmen. Beim ersten Termin machte sich Herr Werft eine Eindruck über die Gerätschaften die der Feuerwehr Künzelsau für solche Einsätze zur Verfügung steht. Ebenso wurde besprochen auf welche Schwerpunkte man sich in dem Lehrgang konzentrieren sollte.

Und somit legte er uns kurze Zeit später ein Konzept vor, das von allen Beteiligten als sehr gut eingestuft und abgesegnet wurde. Aufgrund der damaligen Einweisung am neuen Rüstwagen wurden die Termin dann doch auf 2011 verlegt.

 

Am Freitag den 03.06.11 ging es dann mit einem Theorie-Block ans eingemachte. Neben Unfallverhütungvorschriften (UVV) wurden auch sämtliche Vorgehensweisen, Besonderheiten von Einsatzmittel und Einsatztaktik besprochen. Jeder merkte hierbei schon das der Ausbilder Werft wusste wovon er sprach.

 

Am Samstag den 04.06.11 ging es dann nach einem kurzen theoretischen Einstieg direkt mit der Praxis weiter. Hier wurde Wolfgang Werft von Thomas Wagner (DAV und ehemaliger Bergretter) unterstützt. Thomas Wagner wurde beim o.g. Einsatz vor ein paar Wochen zur Unterstützung der FF Ingelfingen und Künzelsau zum Einsatzort nachalarmiert.

Im ersten Durchgang ging es um die allseits beliebte Knotenkunde. Hier musste das ein oder andere nochmals geübt und vertieft werden. Neben dem Achterknoten kam der Halbmastwurf und der Sackstich ins Gespräch. Ebenso der Inline-Achter und der Schleifknoten. Nach einer längeren Übungsphase zeigte dann Wolfgang Werft eine Rettung einer Person über die Drehleiter mittels Schleifkorbtrage. Ein wichtiges Thema da es immer wieder Situationen gibt bei der die Drehleiter nicht richtig an das Objekt heran gefahren werden kann. Zudem wird in den letzten Jahre eine steigende Tendenz der Rettung von Adipositas-Patienten festgestellt. Durch die normgerechte Zusammenstellung eines Flaschenzugsystems und der dazu passenden Trage können Patienten bis zu einem Gewicht von 400 kg gerettet über die Drehleiter gerettet werden. Dies erfordert aber ein hohes Maß an Übung voraus.

 

Nach einer kurzen Mittagspause ging es dann weiter auf 2 Stationen. Die erste Gruppe übte einen gesicherten Vorstieg am Leiterpark der Drehleiter. Hierbei sichert sich die vorgehende Einsatzkraft in gewissen Abständen durch einbringen der Halteleine an Karabiner und Bandschlinge. Die Halteleine in der der Kamerad mit einem Achterknoten eingebunden war wurde an einem Festpunkt am Boden fixiert und mittels HMS gesichert.

 

An der zweiten Station wurde der Vorstieg mit Zuhilfenahme einer Absturzsicherung (Gerüst-Haken-Set) geübt. Oben angekommen wurde der Feuerwehrangehörige mittels eines Lastseils (in dem Fall Rollgliss) und einer Redundanzseils (zweiter Sicherung) vom Funkturm der Feuerwache auf den Boden herabgelassen. Nach diesen Durchgängen war der erste Praxisblock beendet.

 

Am Samstag den 11.06.11 traf man sich wieder in alter Frische an der Feuerwache. Nach einem kurzen guten Morgen und einer kleinen Unterweisung was uns heute erwarten sollte machten wir uns gegen 9.30 Uhr auf den Weg zur Firma Berner nach Garnberg. Diese hatte uns netter Weise die Räumlichkeiten ihres Hochregallagers für die Übung zur Verfügung gestellt. Angenommen wurde hier ein verunfallter Arbeiter in einem Regal in ca. 20 Meter Höhe. Dieser musste so schonend als möglich zu Boden gebracht werden um ihn hier dem Rettungsdienst zu übergeben.

Insgesamt wurde diese Aufgaben von 4 Personen angegangen die sich im Team ergänzen mussten. 2 Feuerwehrangehörige nahmen den Aufstieg über die Nottreppe eines Hochregalstaplers vor. Sicherten die verunfallte Person und brachten Bandschlingen an den Regalstreben für die Eigensicherung und für den nachfolgenden Trupp an. Der nachfolgende Trupp unterstützte nach demHochklettern die schon oben befindliche Mannschaft beim Sichern des verunfallten mittels Rettungsdreieck. Nach doppelter Sicherung und unter Zuhilfenahme eines am Boden befindlichen weiteren Trupps wurde die Person dann schonend mittels Flaschenzugsystem zu Boden gelassen.

Unser Ausbilder W. Werft befand sich während der 4 Übungsdurchläufe im Lager oben bei der verunfallten Person und kontrollierte wichtigerweise das Vorgehen und die Sicherung aller damit bei dieser nicht ganz ungefährlichen Szenerie niemand zu Schaden kommt.

 

Nachdem alle, wieder unversehrt samt verunfallter Person wieder den Boden der Tatsachen erreicht hatten machte man sich auf den Weg zu Gastwirtschaft Adler nach Garnberg. Hier wurde nochmals kurz auf das Vorgehen und die wichtigsten Details eingegangen. Das es nicht ohne weitere Übungsdienste gehen würde war allen Beteiligten relativ zügig klar. Deshalb wird aus 4-5 geeigneten Personen ein Ausbildungsteam gebildet, dass sich in diesem Rahmen stetig weiterbilden soll und das Gelernte an die restlichen Teilnehmer vermitteln soll.