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02.05.05 08:27 Alter: 13 yrs

Ausbildung an Chemikalienschutzanzügen

Kategorie: Gesamt

Von: Thorsten Stiefel

Immer mehr gefährliche Güter werden werden auf den Straßen transportiert. Der Anstieg betrifft nicht nur die Autobahnen sonder auch Bundes- und Landstraßen. In vielen Betrieben wird Gefahrgut verarbeitet oder gelagert. Dies war nur einer der Gründe für eine zusätzliche Ausbildung für Atemschutzgeräteträger der Feuerwehr Künzelsau. An drei Tagen wurden 17 Atemschutzgeräteträger zu Trägern für Chemikalienschutzanzüge (CSA) weiter gebildet.

Neben dem Gefahrenpotential der Gefahrgüter auf Straßen und in Betrieben war für die Ausbildung ein weitere Grund die vor kurzem überarbeitete Feuerwehrdienstvorschrift 7. In der Feuerwehrdienstvorschrift 7 ist der Atemschutzeinsatz geregelt. Die Dienstvorschrift sieht vor das jeder Träger von Chemikalienschutzanzügen eine einsatztaktische Übung pro Jahr zu absolvieren hat. Dieser Regelung wurde mit der zusätzlichen Ausbildung nach gekommen. Der Chemikalienschutzanzug ist ein Vollschutzanzug zum Schutz gegen feste, flüssige und gasförmige Stoffe. Die Feuerwehr Künzelsau hat momentan 8 Schutzanzüge der höchsten Schutzklasse III. Die Schutzklasse beschreibt diverse Merkmale des Anzuges, wie zum Beispiel die Dauer der Beständigkeit des verwendeten Materials gegenüber verschiedener Stoffe.

Die Feuerwehr Künzelsau setzt die Schutzanzüge zum Ersteinsatz bei Gefahrgutunfällen ein. Zur Unterstützung wird bei diesen Einsätzen der Gefahrgutzug der Stützpunktfeuerwehr Öhringen zugezogen.

Die Feuerwehrangehörigen werden durch das tragen von Chemikalineschutzanzügen bei Gefahrgutunfällen vor direktem oder indirektem Kontakt mit gefährlichen Stoffen geschützt. Er wird ausschließlich in Verbindung mit einem Atemschutzgerät getragen. Zusätzlich trägt der Feuerwehrangehörige noch einen Feuerwehrhelm und zum Beispiel einen Trainingsanzug und spezielle Handschuhe.

Das Tragen dieser Schutzausrüstung unterscheidet sich wesentlich vom normalen Tragen eines Atemschutzgerätes. Der größte Unterschied ist das erhöhte Gewicht. Neben den 15 kg, des unter dem Anzug getragenen Atemschutzgerätes kommen noch die 10 kg des Schutzanzuges hinzu. Die hohen Temperaturen, die hohe Luftfeuchtigkeit und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit im inneren des Anzuges forderen den Feuerwehrmann zusätzlich. Neben den physischen Belastungen sind die psychischen Belastungen in einem Chemikalienschutzanzug nicht zu vernachlässigen. Der Atemschutzgeräteträger kann sich ohne fremde Hilfe kaum aus dem Anzug befreien.

Im Rahmen der Gruppendienste der vier Atemschutzgruppen der Feuerwehr Künzelsau wurde dieses Jahr erstmalig eine Zusatzausbildung für das Tragen von Chemikalien Schutzanzügen auf freiwilliger Basis angeboten. An insgesamt 3 Tagen wurden den Teilnehmern in Theorie und Praxis das Tragen dieser speziellen Schutzanzüge erklärt. Da es momentan in Baden-Württemberg keinen einheitlichen Leitfaden zur Ausbildung zum Träger für Chemikalienschutzanzüge gibt, wurde nach dem Ausbildungsplan der Landesfeuerwehrschule Würzburg vorgegangen. Hier gibt es ausführliche Unterlagen über die Gestaltung diverser Weiterbildungen als Atemschutzgeräteträger.

In diesem Sonderdienst wurden Einsatzgrundsätze, so wie das richtige Anlegen des Schutzanzuges, und das Tragen unter Einsatzbedingungen in insgesamt 8 Stunden erlernt. Dabei bestanden die Unterrichtseinheiten aus 2 Stunden Theorie, und jeweils 6 Stunden Praxis. Die Teilnehmer wurden in 2 Gruppen aufgeteilt damit für jeden Teilnehmer genügend Möglichkeit bestand die oben genannten Punkte in die Praxis umzusetzen. Insgesamt nahmen 17 Atemschutzgeräteträger aus mehreren Abteilungen der Feuerwehr Künzelsau an dieser Zusatzausbildung teil. Sie wurden von den Atemschutz Kreisausbildern Wolfgang Hornung, Steffen Hornung und Günter Schuhmacher (alle Feuerwehr Künzelsau) durch die Ausbildung geführt.

In drei Durchgänge mit den Chemikalienschützanzügen mussten die Teilnehmer verschiedene Aufgaben bewältigen, wobei das Hauptaugenmerk auf die Einsatzgrundsätze gelegt wurde. Im ersten Durchgang wurde eine Gewöhnungsübung in der Atemschutzstrecke durchgeführt. Der zweite Teil der Übung bildete eine Einsatzübung. Wichtig war hierbei jedoch nicht das korrekte Abhandeln eines Gefahrgutunfalls, sondern hauptsächlich ging es um das richtige Verhalten und Vorgehen im Einsatzfall, die Verständigung der Trupps untereinander, das Kommunizieren mit dem Gruppenführer, sowie das rasche Anlegen des Chemikalienschutzanzuges. Im letzten Drittel wurde das Verhalten in Notsituationen geübt, dass beinhaltete unter anderem das Retten eines Schutzanzugträgers. Schnell wurde den beteiligten klar dass das Tragen eines Atemschutzgerätes und das zusätzliche Gewicht des Schutzanzuges, sowie der große Hitzestau im Inneren, einen sehr schnell an seine Belastungsgrenze führt. Alles in allem ein gelungener Atemschutz-Gruppendienst, obwohl er das erste Mal in dieser Form stattgefunden hatte.